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Wisse - und möge Gott dich führen auf den Weg der Verwirklichung [der Einsicht und der Erkenntnis] und dich und uns auf den Weg des Erfolges! - daß es nicht möglich ist, den sufischen Weg (tasawwuf) zu beschreiten, besonders wenn man nach Enthüllung (kashf) [der himmlischen Wahrheiten] und Verwirklichung [seines geistigen Potentials] strebt, [dies alles ist nicht möglich,] ohne andauerndes und vollständiges Gehorsam und Demutshaltung gegenüber einem 'wahren' Schaykh (muhaqqiq), einem geistigen Führer (murshid), der die esoterische Wahrheit (haqîqa) und das exoterische Gesetz (sharî`a) vereint. Denn der geistige Weg ist gefährlich und die kleinste Abweichung vom abgesteckten Wege führt dazu, das Ziel bei Abstand zu verfehlen.
Abû l-Hasan al-Shushtarî 1 drückte es so aus:
"Er (dh. der Anwärter) kommt nicht ��damit umhin, seine Angelegenheit
in die Hände eines anderen zu legen, jemand der ihm befehlen wird
[Gutes zu tun], und verbieten [was schlecht ist] und der über ihn
wacht. Denn der Weg ist gefährlich: die Wegbeschreiter sind rar, und
viele sind es, die den Weg abkürzen [wollen].
Oft kommt es vor, daß einer glaubt, er befände sich in der Mitte des
Weges, während er in Wirklichkeit seinem Ziel bereits den Rücken
zugewendet hat. Manchmal hat es ausgereicht, daß er um eine
Fingersbreite (von seinem Ziel) abwich und schon war er weg vom Pfad
und verloren.
Wahrlich, der Weg ist schmal, [insbesondere] für jenen dessen Seele,
wenn sie ihren eingefahrenen Gewohnheiten folgen will, wünscht, frei
über ihren Körper (badan)
zu verfügen, den sie einst verlassen muß. Der Teufel dieses Weges weiß
genau bescheid über die Wegstationen (Anhalte) und Rastplätze (Stufen)."
Von Abû Yazîd wird berichtet, er habe folgendes ges��agt:
"Wer keinen Meister hat, der hat den selbigen Satan als seinen Meister."
Al-Daqqâq 2 sagte: "Der Baum, der für sich selbst wächst, ohne gepfanzt worden zu sein, wächst - wird aber keine Früchte tragen. Sollte er dennoch Früchte tragen, werden seine Früchte anders sein als die Früchte eines gepfanzten Baumes."
Abû `Amr al-Zajjâjî 3 sagte: Nichts ist zu erwarten von jenem, der keinen Lehrmeister hat, sollte er auch Visionen der unsichtbaren Welten haben.
Shaykh Abû l-`Abbâs al-Mursî 4 sagte:
"Wer sich auf diesem Pfad (des Sufismus - tasawwuf)
keinem Schaykh angeschlossen hat, wird nicht einmal seinen Nachbarn
glücklich machen können. ��Wäre er auch mit grosser Intelligenz und
einer untergebenen Seele begabt, wird er, wenn er mit dem, was ihm sein
Meister der Ausbildung (shayh al-ta`lîm) lehrt zufrieden ist,
doch nicht den Grad der Vollkommenheit dessen erreichen, der sich in
die Hände eines Meisters der Erziehung (shayh al-murabbî) begibt.
Die Seele ist immer mit dicken Schleiern bedeckt, stark geneigt [Gott
illusorische Wirklichkeiten] beizugesellen, und ist unvermeidlich mit
den Flecken der Nichtigkeit (ru`ûnât)
behaftet. Dieser Zustand hört nicht auf, bevor man sich nicht in die
Hände eines Dritten begibt, und sich unter die persönliche Authorität
und Macht d��ieser Person stellt. So verhält es sich auch mit jenen,
für welche Gott Seine besonderen Gnaden bereitgestellt hat, jene die Er
erwählt hat und zu Seiner Gegenwart gebracht hat: Jene werden nicht die
Funktion des geistigen Führers erlangen (mashyaha), trotz ihrer Fortschritte [auf dem Wege]."
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Notizen:
1 Abû l-Hasan al-Shushtarî , ein andalusischer Wegbeschreiter und Dichter
2 Abû 'Alî al-Daqqâq, d. 412 /1021, war al-Qushayris Sufi Meister, sowie sein Schwiegervater
3 Abû `Amr al-Zajjâjî, Ein Sufi aus Nishapour, in Baghdad war er ein Schüler des Junayd und verbrachte einige Jahre in Mecka, wo er im Jahre 348 / 959-960 starb.
4 Schaykh Abû l-`Abbâs al-Mursî, Nachfolger des Imam Shâdhilî, d. 694/1296 in Alexandria. Einer seiner Schüler war Ibn `Atâ' Allâh.
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